Dr. Dueselen berät eine junge Frau.

Experten helfen bei Inkontinenz

Mehr als zehn Prozent der Deutschen sind von Harninkontinenz betroffen. Rund neun Millionen Bundesbürger sind inkontinent und haben Schwierigkeiten damit, ihre Blase zu kontrollieren. Bei Frauen ist es schätzungsweise jede dritte. Doch Ärzte gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. Denn die Scham, darüber offen zu sprechen, ist immer noch groß. Deswegen leiden die Frauen im Stillen und schweigen – sprechen nicht mit Nahestehenden darüber und schon gar nicht mit Fremden. Die Folge ist oft der Verzicht auf medizinische Hilfe und soziale Isolation.

„Das muss nicht sein“, konstatiert Dr. Ralf Dürselen, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie am Krankenhaus Neuwerk. „In unserem zertifizierten Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum nehmen wir uns ausführlich Zeit, bieten den Betroffenen individuelle Hilfe und passen unsere Therapie auf die Bedürfnisse und Lebensumstände der Patientin an. Es gibt vielfältige Möglichkeiten von konservativen Therapien bis zur Operation.“

Was ist Harninkontinenz?

Harninkontinenz bedeutet, dass es zu einem unwillkürlichen Harnverlust kommt. Mediziner unterscheiden zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz sowie ihrer Mischform, der Mischinkontinenz. Bei der Belastungsinkontinenz verlieren Patientinnen beim Husten, Niesen oder Lachen Urin. Bei einer Dranginkontinenz haben Betroffene permanent das Gefühl zu müssen und gehen deshalb auch sehr häufig zur Toilette. Bei der Mischinkontinenz kommen beide Varianten zusammen. Betroffene sind oft von der Erreichbarkeit einer Toilette abhängig und kennen alle verfügbaren in ihrem Lebensumfeld. Das ist eine extreme Stresssituation, beispielsweise beim Einkaufen oder bei einem Ausflug. Eine Freizeitgestaltung ist deswegen oft nicht möglich – der Bewegungsradius wird immer enger und die soziale Isolation gleichzeitig immer größer. Die Folge der körperlichen Leiden und psychischer Belastung reichen bis zu Angstzuständen und Depression.

Umso wichtiger ist es, dass die Frau Hilfe bei einem Facharzt sucht. Die Experten können dank spezieller diagnostischer Verfahren herausfinden, um welche Form von Inkontinenz es sich handelt – zum einen, um der Ursache auf die Spur zu kommen, zum anderen, um die individuell passende Therapie zu finden.

Toiletten- und Trinkprotokoll

Um in der Diagnostik einen ersten Überblick über das Toilettenverhalten zu erlangen, eignet sich das Führen eines sogenannten Miktionsprotokolls, einem Trink- und Toilettentagebuch: Darin notiert die Betroffene einige Tage lang, wann und wie viel Wasser sie lassen musste, wie stark der Harndrang war und ob es zu einem unwillkürlichen Harnabgang kam. Außerdem werden die Trinkmengen notiert.

Da Inkontinenz ein sehr intimes und unangenehmes Problem ist, glauben viele Patientinnen ihre Blasenschwäche sei normal beziehungsweise keine unerkannte Krankheit. Ebenso besteht der Irrglaube, dass nur ältere Menschen davon betroffen seien. Das Risiko für eine Harninkontinenz steigt zwar mit dem Lebensalter, dennoch kann auch durch Schwangerschaft und Entbindung, nach einem Unfall oder einer Operation Blasenschwäche auftreten, die ebenso therapiert werden sollte.
 

Inkontinenzsprechstunde
T 02161 668 2151

Gynäkologie