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Ein Tabuthema, über das jede spricht

Trotz Social Media, Netdoktor.de und zahlloser Gesundheitsapps sind viele Betroffene nach wie vor nicht über Harninkontinenz aufgeklärt. In Deutschland erkrankt schätzungsweise jede dritte Frau einmal in ihrem Leben daran. Sie leiden im Stillen und sprechen nicht darüber – mit Nahestehenden nicht und schon gar nicht mit Fremden. Eine Folge dieses Schweigens: der Verzicht auf medizinische Hilfe.

Beate Spinnen (58) sagt von sich, dass sie über Inkontinenz und deren Therapiemöglichkeiten aufgeklärt ist und ihnen aufgeschlossen gegenübersteht. Die Mutter von zwei Kindern wusste, dass sie nach den beiden Geburten eine Senkung hatte, die in späteren Jahren eventuell behandelt werden muss. „Ich hatte bisher nie Schwierigkeiten. Sogar nachts habe ich problemlos durchgeschlafen und musste nicht zur Toilette“, erzählt sie.

Damit das so blieb, hat sie zwischendurch Übungen zur Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur gemacht. Auch ein Trainingsgerät zur Muskelstimulation hat sie genutzt. Auf die Frage nach dem Therapieerfolg schmunzelt sie: „Es war vorher ja schon gut – wie hätte es noch besser werden können?“

 

 

Umso überraschter war Beate Spinnen, als ihre Frauenärztin bei einer jährlichen Untersuchung im Oktober Teile des Darms im vaginalen Bereich entdeckte – ein typisches Zeichen  einer Senkung, wie Dr. Ralf Dürselen, Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenhaus Neuwerk, bestätigt. Die Klinik ist Teil eines zertifizierten Kontinenz- und Beckenboden-Zentrums und somit mit der Diagnostik und Therapie bei weiblicher Harninkontinenz oder Senkungsbeschwerden bestens vertraut.  „Ein gesunder Beckenboden hält Gebärmutter, Darm und Blase an ihrem Platz. Ist die Muskulatur, etwa aufgrund einer Schwangerschaft oder Übergewichts, geschwächt, können sogenannte Senkungsbeschwerden auftreten“, so der Experte. „Das kann unterschiedliche Ausformungen annehmen: Es gibt Patientinnen, die an Blasenschwäche leiden, andere haben Vorfallbeschwerden oder Senkungsbeschwerden, teilweise mit Schmerzen.“

Manchen helfen gymnastische Übungen oder eine Biofeedback-Therapie, um die Beckenbodenmuskulatur zu kräftigen. Andere konservative Therapien sind Kontinenztampons oder Pessare. Erst ganz zum Schluss kommen operative Lösungen in Betracht, die auf die Patientin zugeschnitten sind. Auch bei Beate Spinnen lag eine operative Korrektur der Senkung nahe. Die Operation dauerte eine knappe Stunde und wurde mit einem neuen organerhaltenden Operationsverfahren durchgeführt. In den darauf folgenden fünf Tagen blieb sie im Krankenhaus, um sich von dem Eingriff zu erholen. „Ich habe keine Schmerzen“, freut sich die gelernte Kinderpflegerin.